Frankreich oder das Ende von Black-Blanc-Beur

am 11. Mai 2011 von

Seit Wochen wird die Sportzeitung Equipe von einem Thema beherrscht: sind die Rassismus-Vorwürfe gegenüber dem Nationaltrainer Laurent Blanc gerechtfertigt und wenn ja, muss er dann seinen Posten als Sélectionneur national räumen?

Nachdem Interna aus einer Sitzung des Französischen Fußballverbands auf der Internetplattform Mediapart veröffentlicht wurden, streitet Frankreich über eine (inoffizielle) diskriminierende Quote, die Nationaltrainer Laurent Blanc für die Ausbildungszentren und Fußballschulen in Frankreich ausgegeben hat, und die sich gegen Spieler mit arabischen und afrikanischen Wurzeln richtet. Demnach gebe es laut dem Französischen Fußballverband »zu viele schwarze und arabische und zu wenige weiße Spieler«, so Mediapart. Darüber hinaus wurden die Forderungen nach einer Quote mit rassistischen Überlegungen zu Körperbau und Genen begleitet, so ein Bericht auf ZEIT Online:

Blanc empfahl, bei der Sichtung von Jugendlichen eher auf Technik als auf Athletik zu achten. Er habe nichts gegen Schwarze, aber: “Wer sind die derzeit Großen, Robusten, Kräftigen? Die Schwarzen (…). Ich glaube, dass wir uns neu ausrichten müssen (…). Dass wir andere Kriterien haben müssen, unserer eigenen Kultur angepasst (…). Die Spanier haben mir gesagt: ‘Wir haben keine Probleme. Wir haben keine Schwarzen.’”

Täglich melden sich Größen aus Fußball und Politik zum Thema, u.a. alte Kollegen von Blanc aus der Weltmeistermannschaft. Zinedine Zidane sprach sich für Blanc aus, Lilien Thuram fordert seinen Rücktritt. Die Debatte um diese Anti-Quote spaltet die Nation, so jedenfalls mein Eindruck bei Gesprächen in französischen Cafés und Bars.

Die Debatte ist stark politisiert: einerseits sind bald Wahlen zum Vorsitz des Französischen Fußballverbands, andererseits fügt sich die Debatte in ein gesamtgesellschaftlich aufgeheiztes Klima, in dem vermehrt mit xenophoben Debatten über Roma, Burka und die oft bemühte nationale Identität Politik gemacht wird. Und so ist vom Esprit der Black-Blanc-Beur, wie die Weltmeistermannschaft von 1998 in Anspielung an ihre multikulturelle Zusammensetzung genannt wurde, nur noch wenig zu spüren.

Mehr Informationen zu der Debatte auf Spiegel Online, ZEIT Online und Le Monde. Sehr interessant ist auch ein Interview mit dem Wissenschaftler Yvan Gastaut, das schon in der Mai-/Juniausgabe 2010 von Hommes & Migrations zur WM in Südafrika erschienen ist.