Wer spricht hier für wen?

am 4. Nov 2010 von

In den letzten Jahren bilden sich zahlreiche Initiativen auf lokaler und auf Landesebene, wie z.B. die Arbeitsgruppe »Vielfalt und Fußball« im Saarländischen Fußballverband. Ziel ist es, Gewalt und Rassismus auf dem Fußballplatz zu bekämpfen. In diesem Zug werden auch Migrantenfußballvereine zum Dialog eingeladen und unterstützt. Das ist wichtig, denn nur (interkulturell) geöffnete Institutionen ermöglichen Partizipation.

Im Herbst 2009 gab es bei Spielen zwischen “ethnischen” und “deutschen” Fußballvereinen der unteren Ligen im Regionalverband Saarbrücken mehrfach Vorfälle, die Anlass zur Sorge gaben. Teilweise kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Spielern unterschiedlicher Mannschaften, aber auch zwischen Spielern, Betreuern und Schiedsrichtern und Beschimpfungen durch Zuschauer. [...] Daraufhin luden das ZIB und der Integrationsbeauftragte des Saarländischen Fußballverbandes, Adrian Zöhler, gemeinsam die fünf im Regionalverband beheimateten und von Migranten getragenen Fußballvereine sowie VertreterInnen von Behörden und Polizei zu einem ersten Fachaustausch ein. Schnell wurde deutlich, dass hier längerfristige Strategien gefragt sind. Inzwischen trifft sich der Arbeitskreis regelmäßig.

So die Selbstbeschreibung der Initiatoren des Projekts über die Umstände, unter denen der Arbeitskreis »Vielfalt und Fußball« in Saarbrücken gegründet wurde. Seither setzen sich Vertreter vom Fußballverband, Fußballvereinen, zivilgesellschaftlichen Akteuren mit integrationspolitischem Schwerpunkt und Wissenschaftler zusammen und entwickeln Strategien. Sie haben sich folgende fünf Ziele gesetzt:

1. Entwicklung von Strategien zum Abbau von Gewalt und Rassismus auf dem Fußballplatz
2. Aufbau von Kommunikations- und Interventionsstrukturen zwischen Vereinen, Fußballverband, Behörden und Polizei
3. Verbesserung der Solidarität der Vereine untereinander
4. Unterstützung der Vereine beim Umgang mit Konfliktpotenzialen in den eigenen Reihen
5. Verbesserung der strukturellen Bedingungen der Vereine, damit sie ihr Integrationspotenzial entfalten können.

Auf den ersten Blick erscheint diese Initiative mit ihren selbst gesteckten Zielen äußerst vielversprechend. Aus der Berliner Ferne kann und soll diese Initiative auch nicht bewertet werden. Die wenigen Einblicke des Im Abseits-Team in die Berliner Praxis drängt allerdings eine kritische Frage auf: Wer spricht hier für wen? Die Projektskizze im Internet verdeutlicht, dass auch Migrantensportvereine zu den Treffen eingeladen wurden. Das ist wichtig. In der Arbeitsgruppe des Fußballverbandes findet man allerdings unter den ordinären Mitgliedern, wenn man nur auf den Namen schaut, keinen ausländisch klingenden Namen.

Bei einem Gespräch Anfang dieser Woche mit Mehmet Matur, dem Integrationsbeauftragten des Berliner Fußballverbands, teilte er mir mit: seines Wissens ist er nach wie vor der einzige Mann mit Migrationshintergrund im Vorstand eines Landesfußballverbandes. Doch nur wenn sich die Verbände, nur wenn sich Arbeitsgruppen und Ausschüsse, Verbandsgericht und Sportämter öffnen, dann können die, über die hier gesprochen wird, wirklich mitreden. Nur so wird nicht über Sie, sondern mit Ihnen gesprochen. Denn Integration heißt Partizipation.